Stimmhygiene

•Ihre Stimme ist ein sensibles Organ. Wenn Sie sie beruflich viel einsetzen müssen, gönnen Sie ihr Aufmerksamkeit und Pflege.

•Jede Heiserkeit sollte nach drei Tagen vom praktischen Arzt, bei Ausbleiben einer Besserung von einem Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenerkrankungen, in weiterer Folge von einem HNO-Arzt mit Spezialisierung auf Phoniatrie (Stimmkunde) behandelt werden.

•Der Facharzt für die Stimme ist der Phoniater. Phoniatrische Ambulanzen gibt es in manchen größeren Krankenhäusern (Wien: AKH, Barmherzige Brüder). Die Untersuchung der Stimmbänder erfolgt mittels eines Kehlkopfspiegels und ist vollkommen ungefährlich und schmerzlos. Eine phoniatrische Untersuchung sollten Sie dann in Anspruch nehmen, wenn beim Sprechen ständig stimmliche Probleme, z.B. rasche und anhaltende Heiserkeit, auftreten.

•Bei Stimm- und Sprechstörungen kann der Facharzt eine logopädische Therapie verordnen. Eine solche ist bei starken Artikulationsfehlern, bei Sprach- und Sprechstörungen nach Schlaganfällen oder Unfällen, bei Stottern, Poltern (zu schnellem und zugleich undeutlichem Sprechen) jedenfalls indiziert.

•Vermeiden Sie jede Überbelastung Ihrer Stimme. Ihr Kehlkopf sagt Ihnen, was ihm guttut und was nicht. Bei Erkältungen und Infektionen, die mit Heiserkeit verbunden sind, sollten Sie den Einsatz Ihrer Stimme auf das absolut notwendige Minimum beschränken. Flüstern ist in solchen Fällen übrigens keine Hilfe, sondern schadet mehr als das normale Sprechen.

•Wenn durch Überforderung der Stimme (z.B. Schreien auf dem Fußballplatz) Heiserkeit eingetreten ist, so legt sich diese im Normalfall binnen Stunden, sofern der Stimme Ruhe gegönnt wird. Eine bereits heisere Stimme sollte nicht weiter strapaziert werden, vor allem darf die Heiserkeit nicht durch immer größeren Kraftaufwand ausgeglichen („überschrieen“) und so womöglich tage- und wochenlang weitergeschleppt werden. Wird eine durch Überbelastung hervorgerufene Heiserkeit chronisch, so ist große Vorsicht geboten, da sich Stimmbandknötchen (sog. Sänger- oder Schreiknötchen) bilden können, die u. U. operativ entfernt werden müßten.

•Rauch, Staub, trockene Luft und mangelndes Trinken können die Leistungsfähigkeit Ihrer Stimme vorübergehend empfindlich herabsetzen. Achtung bei Klimaanlagen! Gegen zu trockene Raumluft können Luftbefeuchter oder ganz einfach ein nasses Handtuch auf dem Heizkörper helfen.

•Rauchen kann Ihre Stimme dauerhaft belasten. Manche Raucher leiden, ohne es zu wissen, an einer chronischen Reizung der Stimmbänder. Im Zweifelsfall kann der Facharzt Klarheit schaffen.

•Schwarztee, Kaffee und Alkohol entziehen dem Körper Wasser und können daher, in größeren Mengen genossen, auch auf den Feuchtigkeitshaushalt der Stimmbänder ungünstig einwirken.

•Bei alkoholischen Getränken ist besondere Vorsicht geboten: Ein Gläschen Bier oder Wein vor einem Sprech-Auftritt (Rede o.a.) schadet zwar nicht Ihrer Stimme; wenn Sie sich aber daran gewöhnen, Lampenfieber oder Sprechhemmungen mit Alkohol zu bekämpfen, geraten Sie in eine gefährliche Abhängigkeit. (Schauspieler: Achtung!) Falls Sie unter Nervosität oder Auftrittsangst leiden, bemühen Sie sich bitte um eine Entspannungstechnik (Yoga, Autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson) oder versuchen Sie es mit ausgiebigem Sex; auch die Atemübungen, die in diesem Skriptum beschrieben sind, können Ihnen bei der Entspannung helfen. Medikamentöse Beruhigungsmittel sollten Sie nur nach sorgfältiger Absprache mit dem Facharzt zur Anwendung bringen – im Zweifelsfall: Finger weg!!

•Scharfe Lutschbonbons (Eukalyptus, Pfefferminz, Menthol usw.) enthalten ätherische Öle; diese trocknen über die Atmung die Stimmbänder aus und können sich daher – entgegen allen Verheißungen auf der Verpackung! – ungünstig auf die Sprechleistung auswirken. Gleiches gilt für Eukalyptusinhalationen. Harmlos hingegen sind z.B. Malzbonbons. Direkt erreichbar sind die Stimmbänder (Stimmlippen) allerdings nur auf dem Wege der Inhalation oder durch Aufträufeln einer heilenden Substanz durch den Arzt.

•Eine belegte Stimme kennt jeder. Das übliche Räuspern, bei dem die Stimmlippen fest geschlossen und dann mit Gewalt auseinandergesprengt werden, ist für empfindlichere Stimmen aber nicht zu empfehlen. Besser ist es, den Schleim vorsichtig abzuhusten; am schonendsten tun Sie dies, wenn Sie den Kiefer weit öffnen, die Lippen jedoch geschlossen halten („Pferdegesicht“) und „hmm, hmm“ machen, wobei Sie die Stimme in die Nasenwurzel gehen lassen.

•Ihre Stimme ist auch ein Spiegel Ihrer Seele. Probleme, innere Spannungen, Streß, Nervosität, Angst, Unlustgefühle usw. können sich sehr leicht „auf die Stimme schlagen“ (z.B. als Knödelgefühl im Hals), es kann einem diese sogar „verschlagen“. Mitunter sind Stimmprobleme ein Zeichen dafür, daß der Betroffene in seinem Leben einiges ändern und umstellen sollte.

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