Sprechen im Alltag

· Wenn Sie Ihre Stimme einsetzen müssen und diese – vor allem morgens – nicht sofort einwandfrei „anspricht“, können Sie sich mit einigen Aufwärmübungen (Sprechübungen, Kau- und Summübungen, wie sie während des Sprechtrainings erarbeitet wurden, z.B. „hmmmm“, „mumumu“, „mamama“, „momomo“, „mömömö“, „mümümü“, „mimimi“, jeweils bei möglichst weit geöffnetem Kiefer und in tiefer, bequemer Lage) leicht helfen. Auch Atemübungen sind sehr zu empfehlen, vor allem, wenn Sie viel oder vor Publikum sprechen müssen.

· Sie selbst hören Ihre Stimme niemals so, wie es die anderen tun. Auch eine Tonaufnahme kann verfälschen. Orientieren Sie sich am Feedback, das Sie auf den Gesichtern Ihrer Zuhörer lesen (Aufmerksamkeit vorhanden?). Dazu sollten Sie natürlich Blickkontakt herstellen.

· Falls Sie zur Selbstkontrolle ein Aufnahmegerät verwenden möchten, empfiehlt es sich, dieses mit Hilfe einer zweiten Person zu testen; gibt es deren Stimme verzerrt wieder, so wird es auch die Ihrige nicht naturgetreu reproduzieren.

· Je deutlicher Sie sprechen, desto weniger brauchen Sie Ihre Stimme anzustrengen; diese ermüdet weniger leicht und ist daher ausdauernder im Einsatz. Wenn einem Redner zugerufen wird: „Lauter, bitte!“, müßte es in den meisten Fällen eigentlich richtiger heißen: „Bitte deutlicher!“

· Versuchen Sie nach Möglichkeit immer auf die akustischen Gegebenheiten zu achten – und natürlich auf die Sprechsituation, die Kommunikationspartner usw. In manchen besonders „halligen“ Räumen sollten Sie Ihre Stimme sogar zurücknehmen, dafür aber äußerst deutlich sprechen.

· Brüllen und jegliches Forcieren der Stimme sollten vermieden werden; ob Sie von diesen „Mitteln“ in bestimmten Fällen dennoch Gebrauch machen möchten, bleibt natürlich Ihre Entscheidung!

· Jeder Druck auf den Kehlkopf, jedes Pressen, „Schieben“, Drücken mit den Halsmuskeln („Knödeln“) usw. sind ungünstig für Stimme und Sprechen – andererseits aber auch das zu gehauchte, unbestimmte, „säuselnde“ Sprechen. Ihr Sprechtrainer berät Sie individuell.

· Manche Menschen ermüden ihre Stimme dadurch, daß sie auch in normalen Gesprächen (Partner nahe, kein Störlärm) oder am Telephon viel lauter sprechen, als es notwendig wäre. Andere wenden beim Sprechen konstant zu wenig Energie auf, sprechen ein Leben lang zu leise und/oder undeutlich und werden heiser, sobald sie einmal ein lauteres Wort sagen müssen.

· Solange es Sie nicht anstrengt und Sie den richtigen Stimmsitz nicht verlieren (siehe unter „Stimmsitz“), können Sie also durchaus so laut und so viel sprechen, wie Sie wollen: eine gesunde, kräftige Stimme ist ein Naturgeschenk, das benützt werden will! Eine permanent zu leise Sprechweise kann mitunter auf eine (eventuell larvierte, also nicht als solche empfundene) Depression hindeuten.

· Atmen Sie beim Sprechen ruhig so oft, wie Sie wollen! Sie geraten dann nie außer Atem, und Ihre Zuhörer werden es Ihnen danken, wenn Sie sie keinem verbalen Trommelfeuer aussetzen, sondern Sprechpausen machen.

· Achten Sie darauf, daß Ihre Kleidung, auch die „elegante“, für Sie bequem zu tragen ist und Sie nicht beengt: Ihre Schultern sollten gut beweglich bleiben, der Rock- oder Hosenbund Ihren Bauch nicht einschnüren, sondern Raum für die Tiefenatmung lassen, Ihr Brustkorb sollte sich seitlich weiten können. Auch für Schauspieler empfiehlt es sich, bei der Kostümanprobe zu testen, ob ein Kostüm ihnen Raum zum Atmen und Sprechen läßt.

· Herren, die Krawatten tragen, sollten besonders darauf achten, daß der Hemdkragen nicht würgt. Leider schwatzen dumme Verkäufer ihren männlichen Kunden immer wieder Hemden auf, die in der Kragenweite genau „passen“, dem Hals und dem Adamsapfel also nicht den geringsten Spielraum zum Sprechen lassen – bleiben Sie hartnäckig und kaufen Sie lieber ein Hemd, das ein bis zwei Nummern größer ist. Ein größeres Hemd ist auch im Brust- und Schulterbereich wesentlich angenehmer. Bestehen Sie im Zweifelsfall auf einer Anprobe! Der Kragen sollte nicht zu hoch sitzen, sondern den Hals jedenfalls unterhalb des Adamsapfels locker umschließen. Sie können Ihre Hemdgröße selbst feststellen, indem Sie ein Maßband unterhalb des Kehlkopfs locker um den Hals legen und zum gemessenen Ergebnis mindestens einen Zentimeter dazuaddieren.

· Überhaupt kann Ihnen die Wahl der Kleidung helfen, besser zu sprechen: Sie werden sich beim Sprechen vor und mit anderen Menschen dann gut und sicher fühlen, wenn Sie Kleidung tragen, in der Sie sich wirklich wohlfühlen und sich selbst chic finden.

· Sprech- und Kommunikationshemmungen können Sie langsam abbauen, indem Sie sich immer wieder Situationen aussetzen, in denen Sie vor oder mit anderen Menschen, auch wildfremden, sprechen. Allzu große Verschämtheit können Sie bekämpfen, indem Sie an einem Nacktbadestrand urlauben oder eine gemischte Sauna besuchen. Fühlen Sie sich beim Sprechen vor Angst oder Respekt wie gelähmt, dann stellen Sie sich Ihr Gegenüber oder Publikum einfach pudelnackt vor – lachen Sie aber nicht plötzlich los!

· Die Themen Lampenfieber und Entspannung werden weiter unten unter „Stimmhygiene“ abgehandelt.

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