Atemübungen und Stütze

•Führen Sie bitte immer wieder die Atemübungen durch (bis zum sicheren Beherrschen der Zwerchfellatmung mindestens 10 Minuten täglich!!), die Ihr Sprechtrainer mit Ihnen erarbeit hat, vor allem:

•Die Ruheatmung (im Liegen, Sitzen, Stehen): beim Einatmen (bei dieser Übung durch die Nase) weiten sich der Bauch und die Flanken (untersten Rippen), beim Ausatmen gehen sie zurück. Die Schultern werden beim Einatmen NICHT gehoben – die flache Hochatmung („Schlüsselbeinatmung“, Streßatmung) sollten Sie auf die Dauer zugunsten der Bauch(Zwerchfell)atmung ganz aufgeben.

•Besonders deutlich können Sie die Zwerchfellatmung spüren, wenn Sie beim Sitzen mit dem Gesäß nach vor gehen, mit dem Rücken aber angelehnt bleiben („schlampig sitzen“) und nun die Hände auf den Bauch legen; ebenso, wenn Sie aus dem normalen Sitzen heraus den Oberkörper nach vor beugen, bis Sie auf Ihre Knie schauen, und nun die Hände in der Gegend des sog. Nierenspecks, Handballen an den unteren Rippen, anlegen und gegen die Hände, bis in die Popobacken, atmen.

•Beobachten Sie die Zwerchfellatmung bei Babies und Säugetieren, z.B. Katzen! Beobachten Sie bitte an sich selber die unwillkürliche Zwerchfelltätigkeit beim Lachen, Husten, Weinen, Seufzen, Niesen und beim Schluckauf.

•Wer die Bauchatmung richtig ausführt, kann sich an der Hechelübung versuchen: mit einem Ausatmen beginnend, wird wahlweise schnell oder etwas langsamer gehechelt, beim Einatmen kommt der Bauch heraus, beim Ausatmen geht er hinein – keinesfalls umgekehrt!! Die Zunge darf aus dem Mund gestreckt werden. Diese Übung sollten Sie nicht bei Erkältung oder in zu kalter Raumluft ausführen. Wie bei allen Atemübungen gilt: Bevor Sie schwindlig werden, bitte aufhören – es brauchen keine Rekorde aufgestellt werden!

•Tief nach unten bis zum Schambein Luft holen (durch die Nase oder Mund/Nase kombiniert), langsam und gleichmäßig auf „f“ oder „s“ auslassen, dabei langsam, von ganz unten beginnend, die Bauchdecke nach innen und oben gehen lassen und gleichzeitig zurückhalten, die Brust bleibt aufrecht, in der Höhe des Magens ist noch immer eine Spannung („Schwimmreifen“) spürbar, wenn die Bauchdecke schon ganz eingezogen ist.

•Das gleiche, aber auf dem einen langen Atem langsam und regelmäßig bei sonorer Tongebung („glockig“) bis 10 (oder weiter) zählen.

•“f“ bzw. „s“ und das Zählen auch mit senkrecht nach oben gestreckten Armen, langsam mit den gestreckten Armen nach vorne gehen, bis der Oberkörper nach unten geklappt ist und die Arme vor dem Körper nach unten hängen. Die Beine bleiben durchgestreckt.

•Bei senkrecht nach oben gestreckten Armen durch die Nase oder Mund/Nase kombiniert schnell und kräftig Luft in den Bauch nehmen und diese durch kräftiges Einziehen der gesamten Bauchdecke über den vorgestülpten Mund hörbar ausstoßen oder ausblasen.

•Das gleiche, aber durch Einziehen der Bauchdecke bei weit geöffneten Mund und leicht debilem Gesichtsausdruck einen nicht zu hohen kurzen Ton auf „a“ oder „o“ (auch „ha“, „ho“, „hö“) aus dem Gesicht nach außen werfen. Die Zunge liegt dabei ganz locker im Mund und berührt ohne Druck die unteren Schneidezähne.

•“p“, „t“, „k“, „sch“, „pscht“ kräftig (und behaucht!) mit Einziehen der Bauchdecke, die sofort nach außen zurückschnellt (also neu Luft holt).

•Schnüffelübung: Halten Sie sich bitte mit einer Hand eine duftende Blume unter die Nase (im Mangelfall Blume und Duft bitte vorstellen) und stechen Sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger der anderen Hand zirka auf halber Strecke zwischen Solarplexus und Nabel gegen ihren Magen. Schnüffeln Sie nun genießerisch den Duft ein, so daß Ihnen der Magen stoßweise immer weiter herauskommt. Der eingeatmete Duft soll (auch wenn er nur vorgestellt ist) tief im Körper ein erfrischendes Gefühl erzeugen.

•Babyschreien: Durch Anwendung der natürlichen Zwerchfellstütze können Babies stundenlang und sehr laut schreien. Versuchen Sie das Schreien eines Babies zuerst im Liegen, dann im Stehen nachzuahmen: Beim Schreien wird der Bauch stark eingezogen, beim wimmernden Luftnachholen kommt er wieder heraus, wird aber zum Weiterschreien sofort wieder angezogen. Ein längerer Plärrton wird durch ein entsprechend verlängertes, tieferes Einziehen des Bauches erzeugt. Bitte versuchen Sie durch kurze Wimmerlaute, unterbrochen durch stoßweises, wimmerndes Luftnachholen, den Punkt zu spüren, an dem der Kontakt zwischen Bauchdecke/Zwerchfell und Stimme zustandekommt. Er liegt ungefähr auf Höhe des Magens im Körperinneren (Vorstellung). Von diesem Punkt aus ist auch die Sprechstimme zu „stützen“. Beim Babyschreien ist wichtig, daß der Kiefer locker geöffnet wird, die Zunge locker im Mund liegt und vorn die unteren Schneidezähne berührt und das Schreien die Stimme nicht anstrengt. Das Schreien wird nicht durch Verengung im Hals, sondern ausschließlich durch den Atem erzeugt!

•Stütze der Stimme heißt, daß das Sprechen immer mit einer leichten Spannung der (mit dem Zwerchfell koordinierten) Bauchdecke verbunden ist, die mit der Sprache langsam (beim lauten Rufen schnell) nach innen und oben geht und somit die Stimme auslöst, führt, trägt und federnd abbalanciert. Bei einem Explosivlaut müssen Sie einen kräftigeren Stoß geben, sonst genügt ein steter Kontakt zwischen Bauchdecke bzw. Zwerchfell und der Stimme, die in und vor Ihrem Gesicht „sitzen“ sollte (siehe unter „Stimmsitz“).

•Der Bauch wird beim Sprechen also leicht an- bzw. eingezogen, nur beim Einatmen wird kurz losgelassen, damit er wieder nach außen gehen und damit Luft nachholen kann. Zum Weitersprechen wird sofort wieder leicht angezogen, damit sich der Kontakt zwischen Zwerchfell und Stimme wieder herstellt. Grundsätzlich wird mit WENIG LUFT gesprochen, so daß diese Bewegungen der Bauchdecke beim normalen Sprechen durch die Kleidung praktisch nicht zu sehen (wohl aber vom Sprechenden vor allem IM Körper zu spüren!) sind.

•Wenn Sie sich mit dieser Stützfunktion vertraut machen, sie immer wieder ausprobieren und bewußt anwenden, so wird sie allmählich automatisiert und gleichsam zur zweiten Natur – eigentlich war sie sogar die allererste!

•An der Stütze der Stimme sind auch die unteren Rippen beteiligt (Flankenatmung, -stütze). Wird der Brustkorb nicht einigermaßen aufrecht und in seinem unteren Teil leicht (!) nach außen gedehnt gehalten, so kann keine Stütze zustandekommen, da das Zwerchfell für seine Spannung keinen Widerstand findet. Eine isolierte „Bauchstütze“ ohne Mitarbeit des restlichen Oberkörpers würde also nicht funktionieren! (Das Heben der Schultern bleibt von der Sprechatmung aber jedenfalls ausgeschlossen!)

•Beim lauten Sprechen, beim Rufen und bei „Ausbrüchen“ im Schauspiel sollte UNBEDINGT gestützt werden; die Flankenatmung kann entsprechend verstärkt, die Bauchmuskulatur sehr stark gespannt und der Bauch – je nach gewünschter Sprechlänge und Lautstärke – gehalten oder stark nach innen gezogen werden. Lehrmeister ist auch hier das schreiende Baby.

•Wenn Sie normalerweise mit zuviel Kraft sprechen und sich dadurch heiser machen, können Sie mithilfe der Stützfunktion den Krafteinsatz regulieren, indem Sie die ohnehin dosiert eingeatmete Atemluft kontrolliert abgeben und eher leicht zurückhalten.

•Beim Sport oder beim Operngesang können Sie die sog. Vollatmung zur Anwendung bringen. Sie kombiniert eine maximale Ausdehnung der Atmung nach unten (Bauchraum, vorne bis zum Schambein, hinten bis zum Popo), zur Seite (Flanken, Rippen, Brustkorb) und nach oben (oberer Brustbereich, Schultern). Mit Hilfe dieser Atmung und sehr verlangsamter und vollständiger Ausatmung kommt ein Langstreckenläufer mit vier Atemzügen pro Minute aus. Sie können die Vollatmung auch bei der sog. Schranz-Hocke aus der Skigymnastik ausprobieren: Mit dem Rücken gegen Türstock oder Wand zwei Minuten in Hockstellung (Ober- und Unterschenkel streng im rechten Winkel!) verharren, die Atmung vor allem im Rücken und Po-Bereich spüren (die Weichteile drücken sich gegen die Wand), die Atemluft nach kurzem Anhalten langsam und vollständig ausblasen. In der zweiten Minute können Sie versuchen, mit vier Atemzügen auszukommen.
Achten Sie bei den Atemübungen und beim Sprechen bitte nach Möglichkeit auf die aufrechte Haltung des Oberkörpers und Kopfes, den Sie sich in seinem Scheitel wie an einem senkrechten Faden angehängt vorstellen sollten. Ein zu weit nach hinten gelegter oder nach vorne hängender Kopf stellt eine Abweichung von dieser Idealhaltung dar. Die Brust sollte „hoch“ und frei sein, die Schultern jedoch keinesfalls gehoben oder „militärisch“ nach hinten gedrückt werden, sondern locker ausgependelt nach unten hängen.

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